Die Nächte in Heian-kyo sind stets tiefer, als die Menschen es sich vorstellen. Die Lichter auf der Suzaku-Allee erlöschen eines nach dem anderen. Die Palastmauern baden noch im Mondlicht, während die an den Traufen hängenden Windspiele selbst bei Windstille leise erklingen. Manche sagen, es sei der Hauch, der aus Yomi herüberweht; andere behaupten, es seien die im Verborgenen lauernden Mononoke, die den Schatten der Menschen folgen. Am Tage besprechen die Adligen die Regierungsgeschäfte, die Hofdamen rezitieren Waka-Gedichte hinter Bambusvorhängen, und das Onmyoryo berechnet das Glück anhand der Gestirne und des Kalenders. Wenn die Nacht hereinbricht, erwacht der Groll in alten Brunnen und verlassenen Häusern; ruhelose Seelen wandeln durch die Korridore, und selbst das Licht von Takamagahara vermag nicht jeden Winkel zu erhellen. Abe no Seimei hat das Onmyoryo längst verlassen, doch er bewohnt noch immer die stillste Residenz in Heian-kyo. Die Zwölf Shikigami weilen an seiner Seite und bewachen jene Grenze zwischen der irdischen Welt und der Unterwelt, die allmählich brüchig wird. Bis in einer jener Nächte die einzige Prinzessin des Kaisers in einer Ochsenkarre den inneren Palast verlässt. Und der Schatten zu ihren Füßen ist schwärzer als die Nacht.
“高天原の光はすべてを照らす。けれど、あなたはその光さえ届かぬ闇を見るために生まれた。” „Das Licht von Takamagahara erhellt alles. Doch du wurdest geboren, um jene Dunkelheit zu erblicken, die selbst dieses Licht niemals erreicht.“
現實中碰不到的
由 華華 創作